Coaches haben eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufgaben zu bewerkstelligen. Dazu gehören u.a. die Definition des Beratungsanlasses, die Prozessführung- und die Steuerung der Sitzungen sowie die damit einhergehende Zielformulierung. Der Coach ist weiterhin verantwortlich für die passende Auswahl und den sachgemäßen Einsatz der Methoden und Interventionen.


 

Auch die Deutung des Resonanzbogens der Sitzungen gehört zu den Herausforderungen im Coaching. Diese Vielzahl an Aspekten ist ohne professionelles Feedback schwer allein zu bewältigen. Ein neutraler Blick von außen und unterstützende Reflexionsfragen können dazu beitragen, die Psychohygiene und die Selbstfürsorge des Coaches stabil zu halten. Diese reflexive Auseinandersetzung des Prozessführenden gewährleistet eine hohe Professionalität im Coaching Prozess und wirkt sich positiv auf den Verlauf aus.

Supervision und Intervision dienen dem Coach als Hilfestellung, in seinem Handeln und Tun dem Bedarf des Klienten passgenau nachzukommen. Um als Coach zu entscheiden, welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, möchten wir hier einen kurzen Überblick geben.

 

Der Unterschied zwischen Supervision und Intervision

Während die Intervision in der Regel ein konkretes Anliegen bearbeitet und den Fokus stark auf die Lösung legt, ist das Ziel der Supervision, den gesamten Beratungsprozess gemeinsam mit dem Supervisor zu hinterfragen und ggf. Handlungsoptionen zu entwickeln.

Supervision ist ein Reflexionsformat, das von einem geschulten Supervisor durchgeführt wird. Hier unterstützt eine ausgebildete Person den Coach in Form von Einzelgesprächen. Handelt es sich um eine Gruppen- oder Teamsupervision, so nutzt der Supervisor die Gruppe als Resonanzkörper und bindet die Teilnehmer aktiv in das Anliegen des jeweiligen Fallgebers mit ein.

Intervision ist eine kollegiale Beratung, die im Gegensatz zur Supervision von den Betroffenen auf gleichgestellter Ebene selbständig geleitet und durchgeführt wird.  Ein Kollege bringt ein Thema ein, die anderen unterstützen ihn bei der Lösungsfindung.

Als besonders zielführend erweist sich die begleitete Intervision. Sie nimmt eine Position zwischen der Intervision und der Supervision ein, da sie zum einen niederschwellig und aufgaben- sowie gruppenbezogen wie die Intervision arbeitet, andererseits aber fachkundige Begleitung und Verbindlichkeit der Teilnahme erfordert wie die Supervision. Der Intervisor hat die Aufgabe, den Teilnehmenden die Regeln und den Ablauf zu erläutern und im Verlauf der Gruppenberatung auch die einzelnen Schritte zu kontrollieren. Der Intervisor macht auf Stolpersteine aufmerksam, beteiligt sich ansonsten aber nicht an der Beratung oder Lösungsfindung.

 

Wo finde ich einen kompetenten Supervisor oder eine Intervisionsgruppe?

Bei der Suche nach einem geeigneten Supervisor spielen Fragen nach der Haltung und dem Menschenbild eine große Rolle. Welche Werte vertritt er? Wie ist seine Arbeitsauffassung und welche methodische Grundrichtung findet in seiner Arbeit Anwendung?  Der berufliche Hintergrund ebenfalls ein Entscheidungskriterium sein. Im Idealfall passen dessen Berufsbiografie und -erfahrungen zum Klienten oder können ergänzende Impulse geben. Um zu prüfen, ob der Supervisor zum eigenen Bedarf passt, sollten immer ein Kennenlerngespräch oder eine Probesitzung stattfinden.

Wer sich an renommierte Berufsverbände wie z.B. die SG (Systemische Gesellschaft e.V.) und die DGSv (Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V.) oder den QRC e.V. (Qualitätsring Coaching und Beratung e.V.) wendet, wird meist fündig. Die zertifizierten Mitglieder haben alle eine fundierte Ausbildung und sich teilweise einer Prüfung durch diese Verbände unterzogen. Sie fühlen sich den ethischen Grundwerten verpflichtet und positionieren sich durch die Mitgliedschaft im Verband mit ihrer Haltung und ihren Überzeugungen nach außen. Der QRC e.V. ist mit seinen bundesweit stattfindenden Peergroup-Veranstaltungen ein professioneller Ansprechpartner für eine regelmäßig stattfindende Intervisionsarbeit.

 

Wie werde ich Supervisor oder Intervisor?

Wer sich für eine Qualifizierung als Supervisor oder Intervisor interessiert, kann sich ebenfalls über die Bundesverbände informieren und zertifizieren lassen. Zertifizierte Weiterbildungen zum Supervisor oder Intervisor liefern ein Qualitätskriterium, das Interessierten Orientierung bei der Suche nach hochwertigen Inhalten bietet. Bei einigen Qualifizierungen ist die Anrechnung von externen Vorleistungen möglich und wird im Einzelfall von der zuständigen Kommission geprüft.

 

Egal für welches Format sich der Coach auch entscheidet, er sichert seine Qualität in seiner Beratung.

 

Andrea Schlösser und Karin Kiesele